Ein Nachmittag im Spital

Die Wonnen eines Privatkrankenversicherten: aus der langen Liste nicht-staatlicher Krankenhäuser das Beste aussuchen, dann mit dem Auto ab in den dichten Stadtverkehr von Rio de Janeiro. Von einer vielbefahrenen Avenida geht es rechts ab durch ein unscheinbares Tor, hinter dem sofort saftiges Grün beginnt: Wiesen, Palmen, Bäume. Man fährt eine mit Kopfsteinpflastern belegte schmale Strasse entlang, einen Hügel hinauf, lässt links eine wunderschöne, weil sehr schlichte Kirche stehen, müht den Wagen weiter den engen Weg hinauf, bis zum Parkplatz, der mitten im Krankenhauskomplex liegt. Auf die eine, unbebaute Seite hin blickt man auf den Corcovado und die Christusstatue. Im Eingangsbereich des Spitals wiederholt sich ein Bild: auch hier ein riesiger Christus, aus Holz diesmal und die Arme nicht segnend ausgebreitet, sondern ausgebreitet weil ans Kreuz genagelt. Das Krankenhaus wird von den Franziskanern geleitet. Alles sehr freundlich, sehr sauber hier. Und sehr ruhig. Aus allen Fenstern geht der Blick hinaus nicht auf die Stadt, sondern ins Grüne mitten in der Stadt. Kurzes Gespräch mit einem Arzt, von ihm abgehört, dann in die Radiologie geschickt, wo innerhalb weniger Minuten das angeforderte Röntgenbild erstellt und digital ins Behandlungszimmer des behandelnden Arztes geschickt wird. Auf dem Bildschirm: das Dunkle ist Luft, das Helle in der Mitte das Herz, die helle Wolke links daneben eine Lungenentzündung.
Eine Lungenentzündung also. 10 Tage Antibiotika, die den giftigen Biestern in meiner Lunge den Garaus machen sollen. Gespannt, wie mein Körper auf die harte Kur reagieren wird. Man hört ja so einiges. 

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Markus A. Hediger am 30.01.2008
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Als hätte ich mir einen Virus abonniert

überkam mich am Donnerstagabend, kaum waren wir in unserem Strandhäuschen in Cabo Frio angekommen, ein Schüttelfrost, auf den - wie vor fünf Wochen schon - hohes Fieber folgte. Allerdings blieb das Fieber diesmal allein, Fieber bei klarem Kopf, keine Schmerzen in den Knochen, einfach Fieber, bisweilen sich bis an die 40 Grad-Grenze heranzüngelnd (was mir dann doch einige Sorgen machte) und mir die Kräfte mit ordentlich Schweiss aus dem Körper waschend. Fakt ist, ich habe diese Woche wieder einmal keinen Finger rühren, kein Wort schreiben können. Es tut mir fürchterlich leid, bereits in der zweiten Woche die Leser der Fortsetzungsgeschichte “Avenida Perdida” auf nächste Woche vertrösten zu müssen. Das ist unsäglich unglücklich. Aber diese ganze Affäre bestätigt wieder einmal, dass die wirkliche Gefahr in den Tropen und den Breitengraden unmittelbar darunter oder darüber nicht jene ist, die man sieht. Die kleinen Biester, derentwegen man das Mikroskop erfand, sind giftig und hinterhältig, ein leimschnüffelnder Lausbub mit ‘ner 38er in der Hand wirkt dagegen geradezu süss.

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Markus A. Hediger am 30.01.2008
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Vor der Geburt. Ergänzung. Bio (2)

Nach seiner Verlobung mit meiner Mutter, einer Krankenschwester, verbrachte mein Vater einige Monate in Portugal, wo er Portugiesisch lernen sollte. Die Missionsgesellschaft plante, ihn nach Angola zu schicken. Dort spitzte sich jedoch die politische Lage derart zu, dass an eine Ausreise nicht zu denken war. Da mein Vater bereits einige Brocken Portugiesisch sprach und die Mission auch in Brasilien tätig war, wurden die Pläne kurzerhand geändert. Es folgten vor der Einschiffung ein Sprachaufenthalt in England: In Brasilien würden meine Eltern vor allem mit Engländern und Amerikanern zusammenarbeiten. Mittlerweile hatten meine Eltern geheiratet und Mutter war schwanger geworden.
1964 schliesslich bestiegen sie das Schiff nach Brasilien, doch auf der Reise wurde meine Mutter schwer krank. Heftige Nierenkoliken und ein sich rasant verschlechternder Zustand zwangen den Kapitän, den nächsten Hafen anzusteuern und meine Mutter in die Obhut eines Krankenhauses zu geben. Aufgrund der damals sehr strengen Einreisebestimmungen (kurz vor der Ausreise meiner Eltern hatten sich die Militärs in Brasilien an die Macht geputscht), durfte mein Vater sie nicht begleiten, sondern musste weitere quälende drei Tage auf dem Schiff ausharren, bis dieses seinen Zielhafen in Belém an der Mündung des Amazonas erreicht hatte. Währenddessen lag meine Mutter im 1600 Kilometer entfernten Fortaleza, ohne ein Wort Portugiesisch zu sprechen. Irgendwie gelang es jedoch, eine amerikanische Missionarin in der Region auszumachen, die zu meiner Mutter reiste und bei ihr blieb, bis sie so weit wieder hergestellt war, dass sie auf dem Landweg nach Belém weiterreisen konnte. Dort kam das Kind tot zur Welt und wurde hinter der Sprachschule, die für neun Monate das Zuhause meiner Eltern sein würde, von meinem Vater beerdigt.

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Mutter auf Esel (3.v.r.)


BR | - Und so geschah es |
Markus A. Hediger am 24.01.2008
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Avenida Perdida - die erste Folge

Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu dürfen, dass, beginnend mit heute, an jedem Mittwoch ein neues Kapitel von “Avenida Perdida”, einem seit Jahren gehegten Traum, auf >>> der extra für sie eingerichteten Webseite im Zeitungsformat publiziert und für >>> SkyRadio vom Autor eingelesen wird.

Heute also >>> die erste Folge: Die Sache mit der Beförderung

Im PDF finden Sie ausser dem Beginn der “Avenida Perdida"-Geschichte auch eine kurze Liste mit Preisen von Konsumgütern in Rio de Janeiro sowie die kurze Erzählung “Das abrupte Ende eines Ausflugs”.

Ich hoffe, das alles bereitet Ihnen ein klein bisschen Vergnügen.

Avenida Perdida |
Markus A. Hediger am 23.01.2008
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Avenida Perdida als Fortsetzungsroman und Podcast

ab Mittwoch, 21. Januar, wöchentlich >>> hier als PDF und >>> hier als MP3.


Markus A. Hediger am 20.01.2008
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