Mein Schweigen, liebe Alice

Liebe Alice,

Mein erster Brief war, zugegebenermassen, ein unbeholfener Versuch, mein langes Schweigen zu brechen. Deine Antwort auf meine erste, zaghafte Kontaktaufnahme nach so vielen Jahren, hat mich dann doch etwas erstaunt. Dass Du so heftig auf meine Bitte um Verzeihung reagierst, hat mich fragen lassen, ob ich den Brief tatsächlich auch an die intendierte Alice adressiert hatte und nicht etwa an die erste Alice meines Lebens, deren Gesicht sich anklagend immer wieder in den Gerichtssaal meiner Träume drängt.
So gerechtfertigt Alicens Anschuldigungen gegen mich auch sein mögen - Du hast immer grossherzig über meine Schwächen und Mängel hinweggesehen und (hätte der Brief Dich und nicht Alice erreicht) hättest mich sicherlich gefragt: Wofür sollte ich dir verzeihen?
Insgeheim hatte ich natürlich gehofft, dass Du diese Frage stellst, denn sie gibt mir Anlass, weit auszuholen. So viel ist zwischen uns geschehen, seit wir uns das letzte Mal gegenübersassen und Du mir sagtest, es sei aus zwischen uns, unsere Beziehung am Ende, weil Du am Ende warst. Ich habe es damals nicht begriffen, danach auch nie verstanden. Gelegentlich habe ich mich zwar damit abgefunden - aber wirklich nachvollziehen konnte ich Deine Entscheidung nie. Wie hätte ich auch - denn erst heute weiss ich: Dich hat es wirklich gegeben.
Ich habe versagt, weil ich während all den Jahren, die wir miteinander teilten, immer davon ausgegangen war, dass Du nicht mehr warst als das Bild, das ich mir von Alice machte.

Sollte dieser Brief wirklich in die beabsichtigten Hände - Deine Hände - fallen, wirst Du verstehen, was ich damit meine. Du hast - jetzt erst erinnere ich mich - immer wieder versucht, mir genau das zu erklären. Ein Bild lässt sich retuschieren, ein Mensch nicht.
Das wirft eine Menge Fragen auf. Ich werde sie alle beantworten, sofern Du sie stellen magst.

Dein
M.

Liebe Alice |
Markus A. Hediger am 28.08.2007
(7) Kommentare • (0) TrackbacksPermalink

Christentum und magischer Realismus

Die Geschichte vom Leiden und Auferstehen Christi lieferte die Matrix für den magischen Realismus. Ein Verdacht.

Von Göttern |
Markus A. Hediger am 28.08.2007
(20) Kommentare • (0) TrackbacksPermalink

Dein Name, liebe Alice

Liebe Alice,

Noch immer muss ich schmunzeln, wenn mir Dein Name aus heiterem Himmel in den Kopf fällt. Oder wenn ich auf einer Party einer Frau vorgestellt werde und dann erfahren muss, dass sie denselben Namen trägt wie Du.
Schon als Kind, liebe Alice, als ich “Alice im Wunderland” las, überkam mich der starke Eindruck, jene Alice könne unmöglich nur eine sein. Wenn wir träumen, multiplizieren wir uns. Nie aber hätte ich ahnen können, wie viele von Euch es tatsächlich gibt.
Du magst es einen dummen Zufall nennen, dass alle Frauen, die ich liebte, Alice hiessen. Alice hiess meine erste Liebe, Alice meine zweite, nüchternere, Alice Du. So verzeih mir bitte, wenn sich, während ich Dir diese Zeilen schreibe, Deine Gesichtszüge gelegentlich verwischen und ich Alice vor mir sehe. Ein glücklicher Zufall (so muss ich es fast schon bezeichnen) wollte es, dass die Frau, die ich schliesslich heiratete, nicht Deinen Namen trägt. Denke ich an sie, denke ich nur an sie.
Ich habe viel an Dich gedacht (der Liebe voll, nicht toll - es gab andere Zeiten, ich weiss) und mich immer wieder gefragt: Was, wenn es doch kein Zufall war, dass alle Frauen (bis auf eine), die ich liebte, alle Alice hiessen? Was, wenn? Es gibt, fürchte ich, nur eine Antwort auf diese Frage:
Wenn es kein Zufall war, dass auch Du Alice hiessest, dann habe ich versagt.
Bitte verzeihe mir.

Dein
M.


Markus A. Hediger am 27.08.2007
(0) Kommentare • (0) TrackbacksPermalink
Seite 2 von 11  <  1 2 3 4 >  Letzte »