Mandrake funkt.

Ich schlafe sehr schlecht in letzter Zeit, und so schlecht mein Schlaf ist, so mühsam ist mir das Einschlafen. Jetzt, da es nun wirklich in den Endspurt geht, streckt sich die To-do-Liste wieder enorm in die Länge und so liege ich also im Bett und versuche, nichts zu vergessen. Es geht um das genaue Einhalten von Terminplänen, damit die für die Auswanderung noch benötigten Dokumente in der vorgesehenen Reihenfolge bei den jeweiligen Ämtern eintreffen und kein Durcheinander entsteht. Zugleich steht die Wohnung bereits voller Kisten, ein Chaos, das den Schlaf auch nicht fördert. Hinzu kommt eine Reorganisation in der Firma, die meine verbleibenden sechs Wochen im Büro wirklich zur Qual macht. Einen derart eklatanten Mangel an gesundem Wirtschaftsverstand habe ich selten erlebt - und dies, obwohl das einst ehrwürdige Unternehmen - seit ich hier arbeite - sich permanent in Reorganisationsstatus befindet. Was die heutigen RetortenManager nicht begreifen, ist, dass sich am besten auf Basis eines gesunden Menschenverstandes wirtschaften lässt. Sie begegnen den Menschen mit Unverständnis (und Unvermögen) und verstehen nicht, dass es mit den Zahlen zugleich bachab geht. Es gibt da einen Zusammenhang, meine Herren in rosa Hemden (das ist wirklich die neue Mode in der Teppichetage), gepflegter Haut und manikürten Zehennägeln.
Der Schlaf, also, kommt mir derzeit nicht so leicht, ich habe also zu einem pflanzlichen Schlafmittel gegriffen, das etwas streng riecht, aber wunderbar wirkt: Ich schlafe ein, schlafe traumlos tief und erwache ganz erfrischt. Das nun seit drei Nächten und die Welt sieht wieder ganz anders aus. Was mir aufgefallen ist: Nach einer traumlosen Nacht geht man durch den Tag und sieht die Welt so, wie sie sich dem Auge präsentiert: ganz ohne Magie. Es gefällt mir nicht. Bin aber nicht sonderlich besorgt, da ich überzeugt bin, dass in diesem Jahrhundert sich auch in der westlichen Welt endgültig die Erkenntnis durchsetzen wird, dass das Leib-Seele-Problem gar keines ist, dass Körper und Geist - oh Wunder - tatsächlich eine Einheit bilden - aber anders als die Wissenschaft es sich vielleicht wünscht.
Von Mandrake erfahre ich, dass er verzweifelt aus seiner Schachtel heraus versucht, zu mir durchzudringen. Es tut mir leid, ich habe im Moment wichtigeres zu tun, als ihn auszupacken. Ich muss einpacken, mein Lieber! 

Mandrake |
Markus A. Hediger am 23.08.2007
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The Girl from Ipanema. Carla. Die 18. Postkarte

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Liebe Franziska,

Ich werde Mama ja schreiben und auf die Einladung warten, die sie mir schicken will! Ich bin ja schon in Rio. Du hast von dieser Stadt sicher auch schon gehört, sicherlich auch schon das Lied von dem Mädchen von Ipanema gehört. Hier bin ich nun und spaziere mit diesem Mädchen den Strand entlang. Das Mädchen heisst Carla und ich glaube, diesmal hat es mich bös erwischt. Sie hilft mir bei der Suche nach einem Schiff, das mich zur Isla Volante zurückbringen kann. Ich muss jetzt ja ganz dringend heim.

Verliebt in Rio

[Bild: Rittiner & Gomez]

El viaje |
Markus A. Hediger am 21.08.2007
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Madalenas Grab

So sehr haben die Bewohner von Ushuaia Madalena nach der Kuba-Krise zurückgesehnt, so oft sie gezeichnet, gemalt, in Gips gegossen und in Stein gehauen, dass sie ihrer schnell überdrüssig wurden.  Zeichnungen verschwanden in Schubladen, Gemälde von den Wänden, Gipsfiguren im Regen. Wer den Engel von Ushuaia heute noch sehen will, der muss die Schritte bis zum Friedhof tun, wo die letzte noch erhaltene Skulptur über Madalenas Grab ihre Flügel ausbreitet.

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Hundertundeins |
Markus A. Hediger am 21.08.2007
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