Der Plan der Stadt. Coralina. Die 14. Postkarte
Vater,
Du schreibst mir, Du wissest nicht, wovon ich redete. Unsere Beziehung sei immer freundschaftlich gewesen und nie habest Du Dir mir gegenüber etwas zuschulden kommen lassen. Meine impliziten Vorwürfe schmerzten Dich. Soeben durchfährt der Reisebus ein Städtchen namens Campo Alegre, von dem ausser einem Stadtplan nichts existiert. Coralina, mit der ich hier verabredet war, hat sich, während sie mit ihrem Finger den verwinkelten Gassen folgte, ganz offensichtlich verirrt. Auch unsere Beziehung, Vater, war nie mehr als das: ein schöner Plan, in dem du dich verlaufen hast.
Nochmals: Hast Du Nachrichten von Mama?
Dein Sohn
[Bild: Rittiner & Gomez]
Die Auslöschung
"Ich sage mich von dir los”, sagte der Vater, nicht mehr traurig, ohne Enttäuschung auch und ohne Zorn. Da warf es den Sohn wie von einem Schlag auf die Brust getroffen über das Sofa in das Büchergestell, durch die Wand die Treppe hinab, es schleuderte ihn auf die Strasse die Bürgersteige dieser kreisenden Stadt entlang bis vor die Türschwelle eines fremden Hauses, wo er sich sammelt, sodann das Haus betritt, die Treppe hinaufsteigt und an eine Türe klopft. Als ein alter Mann ihm öffnet und der jüngere an ihm vorbei in die Wohnung schaut, da sieht er umgestürztes Mobiliar und eingeworfene Wände.
“Was ist hier passiert?” fragt er besorgt.
“Oh”, macht der Alte und blickt sich verwundert um.
| 7 von
Ich werde dich verfolgen
und immer in deiner Nähe sein, Mandrake. Ich werde in der Menge mich verstecken, hinter deinem Rücken, vor deinen Augen. Ich werde dich auf Schritt und Tritt begleiten, mich, wenn nötig, als Frau ausgeben und dir schöne Augen machen. Ich werde böse sein und meine Gegenwart wird dein Scheitern sein.*
Heute früh stieg ich in Zürich den Hügel und die Treppen hinauf zum brasilianischen Konsulat, wo man mir mit einem fröhlichen Lächeln mitteilte, mein Visum sei nun da.
*Die Überarbeitung von “Mandrake spielt Schach” hat einen unglücklichen Zwischenfall provoziert, der es mir unmöglich macht, weiterhin freundschaftlich mit dem Detektiv verbunden zu sein. Das ist sein Pech, denn ich bin sein Schöpfer.