“Hanging Lydias Schaukelblätter” (XVI-XVIII). Unwahrscheinliche Geschichten

Diesmal: Fantastische Realismen. (Und: Ein bisschen mehr Lesestoff als in früheren Ausgaben der Schaukelblätter.)
Aus San Gabriel wurde “San Gabriel Drive”.
Aus einem früheren Text mit dem Titel “Tim Klinglers Nacht” wurde eine Geschichte mit demselben Titel. Sie weist noch gewisse Ähnlichkeiten mit der ersten Version auf, ist aber anders. Vor allem das Ende.
Aus Emmental wurde “Das Glashaus”.

Am meisten Bauchweh bereitet hat mir die Klingler-Story. Ich weiss nicht, ob sie funktioniert. Sie ist radikal umgeschrieben worden, vielleicht muss das Ende weiter hinaus geschrieben werden, damit wirklich ersichtlich wird, was ich mit ihr bezwecke, vielleicht aber ist es so ganz genug. Für ein kritisches Feedback gäbe ich ein ganz ganz grosses Dankeschön.

Die Schaukelblätter (XVI-XVIII) >>> hier als PDF.

Schaukelblätter |
Markus A. Hediger am 30.04.2007
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Monologe. Ich sehe etwas anderes. (II)

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Markus kramt in den Dias. Dann zeigt er mir dieses.
„Was ist das besondere an diesem Bild?“ frage ich. Ich sehe unsere Mutter, uns auf ihrem Arm. Unser Kopf, denke ich, unser Kopf ist so gross wie der unserer Mutter. (Was auch schon bei unserer Geburt Erstaunen ausgelöst hatte: Diese Buben, meinte die Hebamme, werden entweder Metzger oder Papst.)
„Es ist der Zaun im Hintergrund“, sagt Markus.  „Es ist der Zaun. Immer war da ein Zaun“, sagst du.
Unsere Erinnerungen gehen auseinander. Ich will wissen, weshalb.

Monologe |
Markus A. Hediger am 30.04.2007
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Huehueteotl und die Biene

Huehueteotl, das Feuer des Lebens, machte gerade seine Einkäufe auf dem Markt, als eine schon etwas in die Tage gekommene Biene geflogen kam.
„Guten Morgen“, grüsste Huehueteotl die Biene.
„Guten Morgen, verehrte Gottheit“, summte die Biene.
„Erlaube mir eine Frage“, sagte Huehueteotl.
„Nur zu.“
„Ich stelle mir diese Frage seit Tagen“, fuhr Huehueteotl dankend fort, „komme aber auf keine Antwort, die mich zufrieden stellt. Deshalb frage ich dich: Bist du glücklich?“
Da wurde die Biene wütend und rief: „Glücklich? Natürlich bin ich nicht glücklich! Um glücklich zu sein, fehlt mir viel. Es fehlen mir meine jungen Tage, es fehlt mir das lange Leben der Götter, ich vermisse meine scharfen Augenlichter und die Art und Weise, wie die Makaken sich um ihre Alten kümmern! Ein Leben lang bin ich dem Glück hinterher geflogen und habe es in der schönsten Blüte, im reifsten Nektar nicht gefunden. Hättest Du mich gefragt, ob es mir gut geht, hätte ich Ja gesagt, denn es gibt ja immer etwas, das gut geht! Ich, zum Beispiel, bin trotz meines hohen Alters mit meinen Flügeln noch ganz gut unterwegs, was sehr viel besser ist als auf meinen sechs Beinen gehen zu müssen! Aber Glück? Pah! Todunglücklich bin ich!“ rief die Biene wütend aus, schlug zum letzten Mal mit ihren Flügeln und fiel tot aus der Luft.
Traurig senkte Huehueteotl den Kopf, trat die Biene in die Erde und kaufte sich einen neuen Kochtopf.

Tepui |
Markus A. Hediger am 29.04.2007
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