Herbert Turpitt, Telegraph
Nach einigen Monaten auf der Insel vergisst man den Friedhof. In der Bucht von Comfortless Cove befindet sich ein unbeaufsichtigter Hafen, wo monatlich ein Versorgungsschiff anlegt, etwas abseits die Gebäude der Eastern Telegraph Company, wo die Transatlantikkabel nach Südafrika, Sierra Leone, Buenos Aires, Rio de Janeiro und zu den Kapverden kurz aus dem Wasser tauchen, ein Relais durchlaufen oder in einen Telegraphenschreiber münden. Für jedes Kabel ein eigenes Häuschen. Herbert Turpitt, der einzige lebende Mensch auf der Insel, hat sich nie gefragt, weshalb. Obwohl dieser Umstand Hektik in sein Leben bringt. Turpitt bewohnt ein Cottage ganz in der Nähe seines Arbeitsplatzes. Es besitzt einen Garten. Eine Mauer grenzt ihn gegen den Bonetta Friedhof ab, der sich zu den Sister Peaks hin im Vulkangestein verläuft. Wo früher die Opfer verseuchter Schiffe begraben wurden und Spitzhacken unermüdlich Gräber ins Gestein schlugen, herrscht jetzt Ruhe. Herbert Turpitt geniesst sie. Nie hat er sich eingebildet, Stimmen von Verstorbenen zu hören. Sowas würde ihm den Verstand rauben.
Suyá
Wenn sie in die Stadt kommen, mit nackter bemalter Brust, mit Arafedern in der Unterlippe, werden sie gemieden wie räudige Strassenköter und die Ladenbesitzer schliessen ihre Geschäfte, denn ihr Gold wollen sie nicht, ihnen verkaufen sie nichts, an den Missionaren, der sie begleitet, vielleicht, mag sein, doch nicht zum üblichen Preis, diese Kamera hier, zum Beispiel, kostet Sie das Dreifache, ausgerechnet eine Kamera will er haben, dabei mögen die Indios es doch nicht, wenn man sie abknipst und ihre Seelen gefangennimmt in diesem Apparat, doch es ist für den Schamanen, der an den Fotos Rituale vornehmen und Medizin machen kann, ohne dass der Kranke oder Besessene unter den Eingriffen leiden muss, denn jede Krankheit ist eine Krankheit der Seele oder der Geister, ein Rauschen der Wasserfälle, das nicht verstummt, obwohl der Fluss längst vertrocknet ist - auch der Indianer weiss die Annehmlichkeiten zu schätzen, die technologischer Fortschritt bringt.
[Foto: Werner Hediger]
Das Formular
"Diccionario de la perpetuidad.” Eine Widerlegung. Ihr grösstes Verdienst: die Einführung weiterer verwirrlicher Grössen in eine ohnehin schon reichlich hilflose Diskussion.
David Lugones war hochgewachsen, hager, fast abstrakt. Er verachtete Biographien. Von seinem Leben sind uns nur die zwei Eckdaten bekannt.