12. März 2007. 826
Es gibt viel Gutes in Nordamerika. Z.B. den McSweeney’s Verlag von Dave Eggers, der die hervorragende Literaturzeitschrift McSweeney’s Quarterly herausgibt. Dave Eggers ist auch Mitbegründer von 826national, einer Non-Profit-Organisation, die Schreibworkshops für Kinder und Jugendliche in eigenen Zentren oder an Schulen kostenlos anbietet. Mittlerweile gibt es 826 in sechs amerikanischen Grossstädten. Weitere sollen folgen. Von 826 soll nun vor allem die Rede sein.
Als ich erstmals von 826 erfuhr (zuallerst über die Niederlassung in San Francisco), war ich begeistert: Von ihrem Leitgedanken, von der Kreativität, mit der sie die Idee umsetzen, vom Engagement. Und sehr bald kam der Gedanke, etwas ähnliches in Brasilien auf die Beine zu stellen. Ich nahm mit dem Verantwortlichen in San Francisco Kontakt auf, seither korrespondieren wir regelmässig und tauschen uns aus. Zugleich begann ich, über meine Schwiegermutter, die in Rio eine Schule für behinderte Jugendliche aufgebaut hat und reichlich Erfahrungen im Zusammenhang mit NGOs besitzt, die Lage und die Möglichkeiten in Brasilien zu sondieren. Erste Kontakte zu Unis entstanden, und es wird derzeit erörtert, ob ein Einsatz von Studenten in einer solchen Organisation, wie sie mir vorschwebt, als Praktikum anerkannt werden kann. Noch geht es um Sondierungen, es steht noch keineswegs fest, wo, in welcher Stadt, wir das Projekt starten wollen. Sehr bald aber wurde auch klar, dass den brasilianischen Wirklichkeiten Rechnung getragen werden muss und das nordamerikanische Modell nicht 1:1 übernommen werden kann. Sollten wir mit Kindern aus armen Verhältnissen arbeiten (und das wollen wir) wird die Unterstützung durch professionelle Sozialarbeiter und Psychologen notwendig sein (Literatur bewegt das Innere, das Innere ist auf Zuwendung angewiesen). Wir haben zwar einiges auf die Seite gelegt und werden das Projekt notfalls zu Beginn auch aus privaten Mitteln finanzieren, doch jede zusätzliche Hilfe würde unsere Reserven “strecken”.
Als ich meinen Eltern von unseren Auswanderungsplänen berichtete, erzählte ich ihnen auch von 826. Nun hat mein Vater, ohne dass ich davon wusste, seine Kontakte genutzt und von unserem Projekt erzählt. Gestern nun sagte er mir, es gäbe eine Organisation, die sich dafür interessiere. Voraussichtlich noch diese Woche werde ich dort unser Projekt vorstellen können.
Die Chancen, dass es tatsächlich unterstützt wird, sind gering. Es steht ja noch nichts. Mehr als eine Idee, einen Traum haben wir nicht vorzuweisen. Auch konkrete Bedürfnisse können nicht angemeldet werden, da sich diese erst vor Ort herauskristallisieren werden. Wie auch immer: das Projekt vorstellen zu dürfen, ist schon ein gewaltiger Schritt nach vorne. Vielleicht wird uns diese Organisation weiterempfehlen können oder uns mit ihrem Knowhow unterstützen können.
Es sind manchmal kleine Schritte, die ein Traum in Richtung Wirklichkeit unternimmt. Man muss langsam erwachen, um den Traum aus der Nacht in den Tag hinüberzunehmen.
