Tasmania
Treibgut
Horatio Nelson, Admiral der königlichen Marine a. D., Sieger der Schlacht bei Abukir, Dänenschläger vor Kopenhagen, usw., Betrüger seiner Fanny und Liebhaber Lady Hamiltons, liegt, einarmig und blind auf einem Auge, am Strand von Sumatra hinter einer Düne auf der Lauer und blickt mit dem gesunden Auge durchs Fernrohr aufs Meer hinaus.
Die kokosnusspflückenden Affenhorden von Indonesien, jetzt umdressiert, reloziert und mit Stöcken bewehrt, warten auf das Zeichen dessen, der, obwohl in Rente, noch immer in seiner Uniform mit hohem Kragen steckt, weil der Feind noch nicht besiegt ist und er nicht aufgeben wird, bevor nicht auch die letzte der verdammten Ratten an den Klippen zerschellt und ihr aufgeplatzter Leib im warmen Sand von Sumatra als festlich zugerichteter Schmaus zu liegen kommt. Sollen sich Möwen an ihren Innereien gütlich tun und Krebse ihr die Augen aus dem Schädel klauben. Tot soll sie und die letzte sein.
Der Besuch
Der Strand ist weder Land noch See. Es ist nicht Land, weil sich hier nichts anpflanzen lässt. Es ist nicht Land doch auch nicht See, obwohl die Wellen, die täglich drüber hinwegfahren, in den Sand ihren Schwung in Form ihrer Gestalt hineindrücken. Wie die Meereswellen sind auch diese Bodenwellen unbeständig und bewegen sich mit dem Wind. Der feine streifen Sand zwischen hohen Klippen (Land) und Brandung (See) ist Hoheitsgebiet der Strandsegler und der Seefahrer. Die Strandsegler erblickten den Schiffbrüchigen zuerst. Sie warnten die Seefahrer mit ihrem Geschrei. Als das Floss in greifbare Nähe geschwemmt war, zogen es die Seefahrer an den Strand. Sie boten dem erschöpften und dehydrierten Makaken etwas Wasser an. Dieser verdrehte die Augen in Dankbarkeit und kratzte sich das Fell. Er erzählte seinen Rettern von der Überfahrt, von der Hitze bei Flaute und von der Verzweiflung im Sturm. Den Seefahrern war ihr Misstrauen gegenüber dem Primaten anzumerken. Erst als er ihnen berichtete, dass er nur durch einen dummen Zufall, durch eine unverzeihliche Unachtsamkeit aufs Meer geraten war, akzeptierten die Seefahrer den Makaken als einen der ihren.
Niemandsland
Der Strand, ein feiner Sandstreifen zwischen Brandung und steilen Klippen - ausser einigen wenigen Seeleuten ist niemand da. Niemand will den Strand. Niemand erhebt Anspruch auf ihn, niemand verteidigt ihn. Die Kanonen oben auf den Felsen sind auf das Meer gerichtet. Gelingt es nicht, den Feind auf dem Wasser schon zurückzuschlagen, wird die Schlacht im Landesinnern geschlagen. Nicht am Strand. Die Fischer, wenn sie von ihren nächtlichen Ausfahrten zurückkehren, eilen so schnell es geht mit ihrer Schmugglerware über den Sand und verschwinden zwischen den Palmen. Niemand mag den Strand. Der Strand ist eine Zone der Unentschiedenheit, weder Land noch Meer. Deshalb halten sich die Seefahrer hier so gerne auf. Hier sind sie in Sicherheit.